ZUSAMMENFASSUNG
Wie wirkt sich MS auf die finanzielle Situation von MS-Betroffenen in der Schweiz aus?
Das Wichtigste in Kürze
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Der typische Krankheitsbeginn von MS im jungen Erwachsenenalter fällt zeitlich häufig in die Phase der Ausbildung und/oder des Berufseinstieges.

Was wurde untersucht?
Der typische Krankheitsbeginn von MS im jungen Erwachsenenalter fällt zeitlich häufig in die Phase der Ausbildung und/oder des Berufseinstieges. Die vielfältigen Symptome und die Möglichkeit eines Fortschreitens der Krankheit kann sich negativ auf die (künftige) berufliche Laufbahn und die Arbeitsfähigkeit von MS-Betroffenen und letztlich ihre finanzielle Situation auswirken. Die Studie ging der Frage nach, wie die finanzielle Situation von MS-Betroffenen in der Schweiz ist, auch im Vergleich zum Rest der Bevölkerung. Weiter wurde untersucht, ob Menschen mit MS mehr Schwierigkeiten haben materielle Grundbedürfnisse zu erfüllen, wie zum Beispiel die Miete oder Steuerrechnung rechtzeitig zu bezahlen oder sich für eine Woche pro Jahr Urlaub zu ermöglichen. Wenn eine Person aus finanziellen Gründen auf wichtige Güter oder Dienstleistungen verzichten muss, wird das in der Fachwelt als «materielle Deprivation» bezeichnet.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass MS-Betroffene eher finanzielle Probleme haben als andere Menschen in der Schweiz. Es konnte ein Zusammenhang festgestellt werden zwischen grösseren finanziellen Schwierigkeiten und folgenden Faktoren:
• Schwere MS-Symptomen
• Niedriges Bildungsniveau
• Warten auf den IV-Entscheid (Invalidenversicherung)
Umgekehrt wirkten sich folgende Faktoren positiv auf die finanzielle Situation aus:
• Höhere Bildung
• Höheres Alter
• Schweizer Staatsbürger:innenschaft
• Zusammenleben mit Partner:in
• Erwerbstätigkeit
Das mittlere monatliche Nettoeinkommen von Menschen mit MS war ähnlich hoch wie das der allgemeinen Schweizer Bevölkerung. Allerdings gaben fast 10 % der Befragten an, dass ihre Ausgaben teils höher sind als ihr Einkommen, während 4,6 % Schwierigkeiten hatten, über die Runden zu kommen. Insgesamt können sich 6,3 % der Teilnehmenden materielle Grundbedürfnisse nicht erfüllen, verglichen mit 4,2 % in der Schweizer Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus wurde bei 22,3 % der Teilnehmenden ein erhöhtes Risiko für materielle Deprivation festgestellt. Insgesamt bestätigt die Studie, dass MS die finanzielle Situation von Betroffenen in der Schweiz negativ beeinflussen kann. Das Wissen um diese Herausforderungen kann dazu beitragen, Menschen mit MS besser zu unterstützen, um ihre Lebensqualität und finanzielle Situation zu verbessern.
Zusammenfassung
Mina Stanikić doktorierte bereits beim Schweizer MS Register zum Thema «Altern mit Multipler Sklerose». Seit ihrem Abschluss Anfang 2024 führt sie ihre Forschung als Postdoktorandin bei uns weiter.
Referenz Originalartikel
Factors associated with material deprivation in persons with multiple sclerosis in Switzerland: Cross-sectional data from the Swiss Multiple Sclerosis Registry. Lisa Sanak, Christian P Kamm, Andrew Chan, Mina Stanikić, Zina M Manjaly, Chiara Zecca, Pasquale Calabrese, Viktor von Wyl; Swiss Multiple Sclerosis Registry (SMSR). MS and related Disorders, Vol. 69, January 2023, 104438, doi.org/10.1016/j. msard.2022.104438